Sie sind hier: AFS-Komitee Leipzig > Das Komitee > Erfahrungsberichte > Marie-Theres in Panama (2010) > 

Marie-Theres in Panama (2010)

Marie-Theres mit ihren Gasteltern

Mein erster Eindruck von Panama war wohl die Hitze. Wir fühlten uns, als würden wir gegen eine Wand laufen, als uns am Flughafen Tocumen im Februar 2010 die feuchte Hitze entgegen schlug, denn in Panama-Citiy sind das ganze Jahr über zwischen 28 und 35 Grad. Die ersten Tage im Willkommenscamp vergingen wie im Rausch.

Meine Gastfamilie hat erstmal nur Englisch mit mir gesprochen, so dass ich nicht gleich einen Riesen-Kulturschock überwinden musste. Ich wohnte in einer Wohnanlage der Reichen Panama-Citys, in einer Doppelhaushälfte, abgesichert durch eine Schranke samt portero. Ich kam auf eine Privatschule, für die meine Gasteltern aufkamen. Der Unterricht ging 7.20 Uhr los und war 15.45 zu Ende, nur Freitag hatten wir 6 Stunden und bis 12.50 Uhr Unterricht. Die Stunden waren meistens sehr langweilig, vor allem am Anfang, als ich kaum etwas verstand. Dann habe ich mir etwas zum Zeitvertrieb mitgenommen, ein Buch oder so. Am Anfang hab ich meistens Spanisch gelernt. Da ich zu Beginn nur ein paar Sätze sprach, war die Verständigung ziemlich schwierig. Aber alle haben zumindest versucht, mit mir zu sprechen, auch wenn es teilweise aussichtslos war... Meine Klassenkameraden waren ein Jahr älter als ich, denn ich wurde ins quinto anio gesteckt, vergleichbar mit unserer 11. Klasse. Trotzdem waren meine companieros sehr kindisch, was mich manchmal in den Wahnsinn treiben konnte. Nach und nach habe ich aber auch an meiner Schule Freunde gefunden.

Da ich Skateboard fahre, habe ich schnell Gleichgesinnte und Freunde gefunden. Wem es in der Schule ähnlich wie mir gehen sollte, sollte sich in Sport- oder Tanzvereinen und dergleichen anmelden, die meisten Schulen bieten so etwas sogar an. In Vereinen lernt man schnell Leute kennen.

Mit meinen Gastschwestern hatte ich mir nie besonders viel zu sagen, und auch das Verhältnis zu meiner Gastmutter war gespannt. Panamenier ticken in vielen Bereichen anders als wir. Erstmal ist das Wort der Eltern oberstes Gebot, die Kinder widersprechen nicht. Wenn man etwas falsch gemacht hat, muss man das selber merken, denn über Probleme wird mit den Kindern kaum gesprochen. Solange man im Haus der Eltern wohnt, wird man auch als Kind angesehen. Daher erlauben sie eventuell weniger, wollen genau wissen, wohin man mit wem geht, vielleicht darf man sich nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen. Das alles ist auf dem Land entspannter, aber unter Umständen ist dort auch weniger los.

Als ich wegen einer Reise meiner Gastfamilie für 10 Tage zu einer anderen Familie, den Batistas musste, habe ich mich entschlossen, wieder zu ihnen zu gehen, und zwar für den Rest meiner insgesamt 7 Monate. Meine zweite Familie war ein echter Glücksfang. Für Panamenier waren sie sehr aufgeschlossen. Auch sie waren relativ wohlhabend. Mit meinen Geschwistern (Andrea, damals 15 und Erick, damals 19) habe ich zwar fast nie was gemacht, aber zumindest sind wir gut miteinander ausgekommen.

Die ersten Monate war ich im Basketballteam meiner Schule, aber in der zweiten Familie wurde es schwieriger, zu den prácticas zu kommen und Skaten machte mir sowieso mehr Spaß. Das tat ich dann auch fast immer, wenn es nicht gerade regnete (Regenzeit ist zwischen Mai und Anfang August).

Ich bin auch einige Male verreist, entweder mit den Leuten von AFS oder mit Freunden von mir. Die Reisen waren das Schönste an meinem Aufenthalt. Panama ist ein unglaublich schönes und vielfältiges Land. Es gibt kühle und heiße Gebiete, Traumstrände und -inseln, aber auch Berge und Dschungel. Es gibt Panama-City als Metropole und ländliche Gebiete, also so ziemlich den Rest des Landes. Dazu will ich noch anmerken, dass die Mentalität in der Stadt eine ganz andere als auf dem Land ist. Da treffen Welten aufeinander. Die campesinos essen, reden, leben und benehmen sich anders als die ciudadanos, aber beide sind gleich nett und offen.

In Panama-City fährt jeder, der es sich leisten kann, ein Auto und nutzt es auch bei jeder Gelegenheit, zum Beispiel um zum super um die Ecke zu fahren. Dementsprechend stockend ist der Verkehr in der Stadt. Trotzdem kommt man immer noch am besten mit Bus und Taxi voran (auf Strecken bis 2 Kilometer auch mit dem Skateboard!), wenn man nicht gerade gefahren werden kann oder die Familie kein Auto besitzt. Alles in allem kann man sich viel in der Stadt angucken und viel unternehmen. Kleiner Tipp: Mein Lieblingsplatz ist der Plaza Bolivar in Casco Viejo, aber da werdet ihr vermutlich sowieso mit AFS hingehen.

Im großen und ganzen sind die Panamenier ein sehr liebenswertes Völkchen. Sie sind sehr offen, nett und neugierig, haben viel Lebensfreude, lachen viel und feiern gerne. Die panamenischen Feiern sind wirklich die besten. Soagr auf jeder kleinen Familienfeier wird getanzt, meist bacháta, merengue, salso und típico. Auf Partys und in Clubs läut meistens Reggaeton.

Als Schlussfazit muss sagen, dass meine 7 Monate in Panama die schönsten bisher waren und ich in meinem Herzen immer zu einem teil panamenia sein werde. All die Erfahrungen hätte ich wohl nie in Deutschland gesammelt, ich hatte in der Zeit so viele schöne, spannende und lustige Erlebnisse, dass nie ein richtiger Alltag eintrat und ich mich an fast jeden einzelnen Tag erinnern kann, weswegen ich vielleicht über manches zu viel und anderes zu wenig geschrieben habe. In dem Fall beantworte ich gerne Fragen.

Besos!

Eure Marie-Theres (Maritere), 18 Jahre